Regina Asendorf: Wir Konsumenten können eine Bewegung in Gang bringen

Unsere überaus erfolgreiche 1. BürgerFAIRanstaltung am 2. März wurde von Regina Asendorf moderiert.

Ihre zum Nachdenken anregende Begrüßungsrede ist hier nachzulesen:

Liebe Gäste,

herzlich willkommen!

Vielleicht geht es Ihnen wie mir:

Ich sitze abends gemütlich auf dem Sofa und sehe Nachrichten und frage mich, was ich kleines Licht angesichts des Elends in der Welt überhaupt bewegen kann. Ich denke, dass ich an einem der schönsten Flecken auf dieser Erde wohne, in Sicherheit, in Frieden und dass meine Kinder eine Ausbildung machen können und sie Perspektiven für die Zukunft haben.

Das ist leider nicht überall so auf dieser Welt. Im Gegenteil! Immer wieder lesen wir, dass unser Lebensstil in der sog. 1. Welt mit dazu beiträgt, dass sich die Verhältnisse für die übrigen nicht verbessert.

Der Konsument ist also Schuld. Ja, das ist er, bzw. bin ich. Wir sind alle die geborenen Schnäppchenjäger. Ich würde das mal zu den schlechten Angewohnheiten zählen, die sich eine ganze Gesellschaft angeeignet hat. Ich spreche nicht von denjenigen, die aufgrund ihres knappen Geldbeutels rechnen müssen. Ich rede von mir und von Ihnen, die eigentlich viel zu viel Klamotten haben und sich doch nicht beim Shoppen zurückhalten können und zuschlagen, obwohl ich eigentlich nichts brauche. Und dann war es auch billig. Im Duden steht unter „billig“: niedrig im Preis; nicht teuer; für verhältnismäßig wenig Geld [zu haben], von minderer Qualität, einfallslos, geistlos.

Und dann habe ich noch gefunden: humane Preise

Unter „human“ findet man im Duden: die Würde des Menschen achtend, menschenwürdig.

Wie aber passt dann „human“ und „billig“ zusammen?

Gar nicht!

Menschwürdige Preise zu definieren ist sicherlich schwierig. Es ist vielleicht einfacher zu sagen, wann Preise auf jeden Fall nicht menschenwürdig sind.

Sie sind aus meiner Sicht dann nicht menschenwürdig, wenn die Menschen, die für die Produkte arbeiten, dies unter unwürdigen Bedingung tun und der internationale Standard für Arbeit nicht eingehalten wird. Immerhin ist Deutschland Mitglied der Internationale Arbeitsorganisation (ILO), die im nächsten Jahr ihr hundertjähriges Bestehen feiert.

Für mich ist ein Preis nicht menschwürdig, wenn so wenig bei den Produzenten bleibt, dass sie sich nicht ausreichend ernähren können und ihren Kindern keine ausreichende Schulbildung bieten können.

Wenn sie krank durch ihre Arbeit werden, weil die Arbeitsbedingungen gesundheitsschädigend sind.

Ein Preis ist auch dann nicht menschenwürdig, wenn er dazu beiträgt, die Umwelt zu schädigen. Letztlich wirkt sich eine Schädigung der Umwelt auch auf uns aus, auch wenn wir vielleicht weit weg sind. Wir sitzen nun einmal alle auf dem selben Planeten.

Ein Preis, der verhindert, dass meine Mitmenschen ein Mindestmaß an Lebensqualität erhalten, ist unwürdig und die Würde des Menschen ist nach unserem Grundgesetz unantastbar.

Ich kann als Konsument aber nicht alles kontrollieren. Das überfordert mich total. Ich will mich verlassen können auf unsere Politik, an die ich im Sinne der Friedenspolitik und zur Bekämpfung der Fluchtursachen appelliere, sich dieses Themas intensiv anzunehmen.

Ich will, dass die Firmen offenlegen müssen, wie sie produzieren. Ich möchte eine Entscheidung treffen können, was ich in Zukunft unterstützen will und was auf jeden Fall nicht.

Ich möchte eine Wahl haben.

Fairtrade kann mir dabei helfen. Es nimmt mir die Kontrolle ab und ich achte auf die Label für den fairen Handel. Aber das bekomme ich hin. Mit der Zeit wird es selbstverständlich, darauf zu achten. Viel Mühe macht es eigentlich nicht. Es ist Gewohnheit und ein bisschen Achtsamkeit. Ich werde an meiner schlechten Angewohnheit arbeiten.

Oder einfach mal dumm fragen beim Einkaufen: „Die Jeans finde ich toll. Ist sie fair gehandelt? Ach das wissen sie nicht. Sorry, dann lieber doch nicht!“.

Glauben Sie mir, wir Konsumenten können eine Bewegung in Gang bringen.

Es gibt kaum noch einen Supermarkt, der nicht fair gehandelte Ware anbietet. Das ist ein Erfolg! Aber es reicht noch lange nicht. Wir müssen mehr und deutlicher werden.

Ich kann etwas tun, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Ich kann damit Verantwortung übernehmen. Wir alle zusammen können noch viel mehr schaffen.

Ich möchte an dieser Stelle Herrn Darboven zitieren:

„Wir wollen unseren Kaffeebauern und Lieferanten langfristig ermöglichen, stolz und selbstbewusst ihr wirtschaftliches Leben in die eigenen Hände zu nehmen, sich für soziale und auch ökologische Belange zu engagieren und dabei einen Zugewinn an Lebensqualität zu erfahren.“

Lassen Sie uns diesen Abend in dem Gefühl miteinander verbringen, an etwas Positivem mitmachen zu können.

Viel Spaß!

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